Chronik
Das Schützenwesen in Straßwalchen
Herbert Handlechner
Das heutige Festschützenwesen in Straßwalchen ist das Ergebnis einer langen, historischen Entwicklung mit Kontinuitäten und Brüchen, die sich über Jahrhunderte zurückverfolgen lässt. Die Lage zwischen Bayern und Österreich führte zu Streitigkeiten um Straßwalchen und Höchfeld, begünstigte aber auch das Gewerbe. Die Gliederung des Gerichts umfasste Ende des 18. Jahrhunderts den Markt Straßwalchen und das Landgericht Höchfeld. Die Grenzlage hatte auch geistliche Auswirkungen, da der Pfarrer von Straßwalchen bis 1779 drei Filialen in drei verschiedenen Staaten betreute. Jene in Irrsdorf lag im Salzburgischen, jene zu Oberhofen in Österreichischen und jene zu Teichstätt im Bayerischen. Die Lage an der Hauptverbindung nach Wien wirkte sich Ende des 18. Jahrhunderts auch negativ aus, da Straßwalchen unter Truppendurchmärschen und Krieg litt.
Das militärische Schützenwesen in Straßwalchen
In den Städten und Märkten bildeten Bürger und Handwerker bewaffnete Einheiten, um die Sicherheit der Bewohner zu gewährleisten und die Feuerwache zu übernehmen. Im Erzstift Salzburg übernahmen Bauern und Knechte als Feuerschützen den militärischen Dienst in den Pflege- oder Landgerichten, was durch Rekrutierungslisten belegt ist. Auch nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden militärische Formationen benötigt. 1655
wurden aus den Gerichten Neumarkt, Mattsee und Straßwalchen eine Fuß- und zwei Dragonerkompanien gebildet, angeführt von Offizieren und unterstützt von Fourieren, einem Feldscherer, einem Schmied, einem Trompeter, Trommlern und Pfeifern. Insgesamt umfasste das Kontingent 575 Mann, im gesamten Erzstift 8.769 Mann. 1664 wurden „Feuerschützen im Markt und Landgericht Straßwalchen und Höchfeld“ erwähnt, neun aus Straßwalchen und einer aus Höchfeld. Die Schützen baten um Befreiung vom Rüstgeld, da sie bereits aktiv Dienst leisteten. Ein Auszug aus der
Musterrolle nennt die Namen der Schützen Straßwalchen und Höchfeld. Im Marktgericht Straßwalchen waren dies: Michael Sperl, Bartlmee Pogner, Georg Steger, Urban Gräfendorffer, Wolf Wolfsgruber, Adam Gerner, Zacharias Plietl, Matthias Weinprenner und Balthasar Pals [?]. Aus dem Landgericht Höchfeld war Hannß Stämpfl in die Musterrolle eingeschrieben. Musterrollen späterer Jahrhunderte sind Gegenstand zukünftiger Forschung.
Das Scheibenschießen – Pflicht und Unterhaltung
Um bei Bedarf im Umgang mit Feuerwaffen geschultes Personal zu haben, war der Betrieb einer Schießstätte in den jeweiligen Gerichtsorten notwendig. Feuerschützen aus Straßwalchen und Höchfeld besuchten daher die Schießstätte. Im Jahr 1731 nahmen sich vier Mann aus Straßwalchen und sechs Schützen aus dem Landgericht Höchfeld an der Schießstätte ein. 1762 hören wir von einem Johann Prändl und einem
Benedict Steger – beide Schützenmeister. Auch ein Neubau der „uralten“ Schießstätte fand in diesem Jahr seinen Abschluss. Nach Ostern begannen die Scheibenschießen an den Schießstätten im Erzstift Salzburg. Als Motivation erhielten die Schützengesellschaften vom Landesherrn ein Preisgeld – den „Schützen-Vortheil“. Die eingeschriebenen Schützen waren verpflichtet, sich zu den Schießübungen einzufinden. Kam ein Schütze seiner Verpflichtung nicht nach, musste er ein Strafgeld in die Schützenlade zahlen. Die genaue Lage des Schießstandes von Straßwalchen und
Verlegung sind derzeit nicht bekannt. Nach den Wirren der Franzosenkriege sollte das alte Feuerschützenwesen vor allem zwecks Streifendienstes wiederbelebt werden. Im Jahr 1824 wurde die Feuerschützengesellschaft Neumarkt wiedererrichtet, zu der Straßwalchen seit 1803 gehörte. Die in Neumarkt errichtete Schießstätte wurde von den 30 Schützen aus Neumarkt, Köstendorf und Straßwalchen besucht. Die über Jahrhunderte geübte Tradition des Scheibenschießens scheint in Straßwalchen nicht vollkommen erloschen zu sein. Aus Anlass diverser Festlichkeiten wurden Schießstätten errichtet, wie etwa im Rahmen eines Feuerwehr-Wiesenfestes von 1907: „Auf dem mit Reisig und Flaggen geschmückten Festplatz waren ein Karussel, Schaukeln, eine Schießstätte, eine Musikkapelle, ein Tanzplatz, Bier-, Wein- und Kaffeehallen errichtet.“ Auch die Historischen Leonhardi-Reiter und Schützen zu Irrsdorf übten sich in den 1980er-Jahren im Armbrustschießen und betrieben einen vollautomatischen
Schießstand im Gasthof Fischwenger.
Festschützen in Straßwalchen
Nachweise zum festlichen Schießen, besonders zu Fronleichnam, finden sich in Salzburg seit dem 17. Jahrhundert. Fürsterzbischof Markus Sittikus von Hohenems förderte prunkvolle Umzüge. Untersuchungen zum Festschießen in Straßwalchen fehlen bisher. Nachrichten über Schützenkompanien und Böllerschießen finden sich oft in Zeiten von Verboten. Böllerschießen diente auch der Gewitterabwehr, trotz Verboten und Aufständen. 1789 zwangen 20 Personen die Mesner von Irrsdorf zur Herausgabe des Kirchenschlüssels, um gegen das Wetter zu läuten. 1787 wurden Einschränkungen für Prozessionsschießen erlassen. Die Bevölkerung widersetzte sich den Verboten und bat um Ausnahmegenehmigungen. 1798 bat die Straßwalchener Schützenkompanie um Erlaubnis zum Schießen an Fronleichnam, mit dem Argument, dass ähnliche Erlaubnisse im Lungau und Neumarkt erteilt worden seien.
Die Endes untertänigste Schützen Compagnie des Hochfürst(lichen) Pfleg und Landgericht Straßwalchen stellet das untertänigste Anlangen das bevorstehende Hoch Fronleichnamsfest mit einem Exercitium in Feuer verherrlichen zu dürfen und glaubt in ihrer Bitte um so weniger im Sinne einer hohen Justizstelle zu verstoßen als
a) sie von ihrer Hochfürstl. Oberkeit hiezu angewiesen werden
b) sowohl im Gebirgslande als Lungau und flachen Lande als Neumarkt diese Gnade jeder Schützen Compagnie zugestanden worden.
Straßwalchen 4. Juny 1798
Franz Spatzenegger der zeit Oberkammerer
Johann Groh in Namen der gesamten Bürgerschaft
Die gesamte Schützen Compagnie allda
Dies belegt die Existenz einer Festschützenkompanie in Straßwalchen Ende des 18. Jahrhunderts. 1811 wurde in Straßwalchen eine Nationalgarde III. Klasse eingerichtet, deren Ausrüstung und militärischer Wert gering waren. Die Uniformierung der Kompanie war detailliert beschrieben. Die Hauptaufgabe der Kompanie war die Teilnahme an Prozessionen und Festivitäten. Die Fahne der Kompanie war gelb-schwarz mit dem Marktwappen. Die Tradition der Prangerschützen in Straßwalchen ist bis ins 18. Jahrhundert nachgewiesen. Die Uniformen der Prangerschützen ähnelten denen der Soldaten in der Krippe von Irrsdorf. Weitere Untersuchungen zum Fortbestand der Kompanie fehlen. 1910 wurde anlässlich des 80. Geburtstages des Kaisers ein Fackelzug mit Böllerschüssen und „Lärmkanone“ veranstaltet. Im 20. Jahrhundert wurde zu Fronleichnam eine Salutkanone („erwähnte Lärmkanone“, Anm.) abgefeuert. Nachkriegsfeiern mit Stand- und Lagerböllern waren vor und nach dem Zweiten Weltkrieg üblich. 1932 gab es einen Schussknall mit einem Sicherheitsböller. Bäuerliche Hochzeiten und Prozessionen wurden von bäuerlichen Reitern begleitet. 1936 wurde die Gründung der Historischen Leonhardi-Reiter und Schützen zu Irrsdorf betrieben. Mit der Gründung der Prangerschützen Haidach wurde das festliche Schießen institutionalisiert.